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Detective Kubu, muti und der Medizinmann

DeadlyHarvestEin Mädchen verschwindet spurlos – wie vom Erdboden verschluckt. Ein zweites Mädchen – und wieder keine Spur. Vielleicht auch, weil die örtliche Polizei in Botswana so nachlässig ermittelt hat? Das CID (Botswana Criminal Investigation Department) nimmt sich der Sache an. Stimmt der Verdacht, die beiden Fälle hätten etwas mit muti zu tun – diesen traditionellen Substanzen, von Medizinmännern aus Kräutern, Teilen von Tieren – aber manchmal eben auch mit menschlichen Organen hergestellt? Mussten die Mädchen sterben, weil Teile ihrer Körper zu Herstellung von muti benötigt wurden? 

Dann wird ein bedeutender Politker ermordet. Kann das etwas mit dem Verschwinden der Mädchen zu tun haben? Tatsächlich finden die Ermittler eine Flasche muti mit menschlicher DNA.

Viel Arbeit für Detective David Bengu, den alle wegen seiner Körperfülle „Kubu“ nennen („Flusspferd“ in der Landessprache Setswana). Erschwert werden die Ermittlungen auch dadurch, dass offenbar bis in höchste Polizeikreise die Dienste dieser Medizinmänner in Anspruch genommen werden und auch dort der Glaube an die Zauberkraft der Heiler und des von ihnen hergestellten muti verbreitet ist.

„Deadly Harvest“ ist der Titel dieses neuen Krimis von Michael Stanley. Das Autoren-Duo Michael Stanley (dahinter verbergen sich die beiden Südafrikaner Michael Sears und Stanley Trollip) legt damit den vierten Krimi mit dem schwergewichtigen, sehr sympathischen Ermittler Kubu aus Botswana vor. Das Buch nimmt eine reale Geschichte auf, in der es um mit menschlichen Bestandteilen hergestellte traditionelle Medizin geht, mit der magische Medizinmännern Menschen in Abhängigkeit und Unglück stürzen. Immer wieder gibt es z. B. Berichte von verschwundenen Albinos, deren Organe für solche Medizin sehr begehrt sind, weil von ihnen besondere Kräfte ausgehen sollen. Auch in diesem Krimi wird ein Albino deswegen getötet. Wir schwer es auch für ganz rational denkende Menschen ist, sich dieser auch gesellschaftlich so wirksamen Tradition zu enziehen, ist auch Thema dieses Buches.

Wie schon in den anderen drei Büchern erfährt man auch einiges über das Familienleben der Hauptfigur – und bekommt damit zugleich einen Einblick in die Alltagsprobleme in Botswana.

„Deadly Harvest“ ist ein spannender Krimi, der bei aller Gesellschaftskritik ein unterhaltsamer Kriminalroman bleibt. Nicht die Weltverbesserung, sondern die Ermittlungen stehen im Vordergrund der Geschichte – und am Ende siegt das Gute.

Leider sind von Michael Stanley bisher nur die ersten beiden Kubu-Krimis ins Deutsche übersetzt worden. So mag es noch einige Zeit dauern, bis „Deadly Harvest“ in deutscher Sprache vorliegt. Wer nicht vor englischen Büchern zurückschreckt, ein Krimifan ist und sich für das nicht ganz alltägliche Ambiente des CID in Botswana interessiert, sollte ruhig jetzt schon zur Originalversion greifen. Leseempfehlung!

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