Politik Umwelt

Besucht das Ammerland, solange es noch geht!

akneeNun ist also Bewegung in die Suche nach einem Atommüll-Endlager gekommen. Bund und Länder haben sich darauf geeinigt, noch einmal bei Null zu starten. Ein entsprechendes Gesetz soll im Sommer verabschiedet werden. Dann wird munter nach Alternativen zum Standort Gorleben gesucht – spätestens 2031 will man fündig geworden sein.

Also alles wird gut? Wenn man in das vorgesehene Verfahren vertraut, wenn man an objektive Kriterien glaubt, wenn man bereit ist, das Atomklo auch vor der eigenen Haustür zu ertragen, dann ja. Wer skeptisch ist oder findet, dass die Anbeter von St. Florian doch nicht so unrecht haben, sollte unruhig bleiben.

Zum Beispiel Bad Zwischenahn  – immer mal wieder als Standort für ein Endlager benannt, weil es hier einen Salzstock in hinreichender Größe gibt. Im Herbst 2009 hat der damalige Umweltminister Sander unvorsichtigerweise deutlich und laut auf Zwischenahn hingewiesen (siehe meinen Blogbeitrag „Atomklo Bad Zwischenahn„). Die Proteste waren zahlreich: Kompletter Unsinn, hieß es. Der CDU-Kreistagsabgeordnete Nacke, der auch im niedersächsischen Landtag in führender Position sitzt, dröhnte mich im Kreistag an, als ich auf das Thema hinwies: Unverantwortlich, so Nacke, wie ich wider besseren Wissens die Bevölkerung beunruhigen würde.

Und nun ist es wieder in den Zeitungen. Überall wird auf den möglichen Standort Bad Zwischenahn hingewiesen – in zahlreichen Landkarten kommt der beschauliche Kurort auf diese Weise zu zweifelhaften Ehren. Überall? Nein, nicht in der Nordwest-Zeitung, die in unserer Gegend das Pressemonopol besitzt. Im heutigen, sehr ausführlichen Bericht über alternative Standorte kommt Bad Zwischenahn nicht vor. Reichlich ungewöhnlich für eine Regionalzeitung: Da passiert mal was in ihrem Verbreitungsgebiet, und sie schweigt lieber darüber. Ein Atomklo passt auch nicht so gut zur Saisoneröffnung im Park der Gärten.

Und was tun jetzt die Ammerländer, besonders die Zwischenahner? Werden sie es erfolgreich verdrängen? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Da schauen wir besser weg? Tatsächlich wird aber wohl über längere Zeit wieder das Damoklesschwert über der Region schweben, auf dem „Endlager“ eingraviert ist.

Was bleibt: Vorsicht beim Immobilienkauf. Könnte sein, dass die Preise im Fall des Falles doch sehr ins Rutschen geraten. Und wer gern in dieser wunderbaren Parklandschaft Urlaub macht, sollte den für die Zeit vor 2031 einplanen. Man weiß ja nie: „Besuchen Sie Bad Zwischenahn, solange es noch steht.“

  1. Gerd van Düllen

    War schon bei Demos in Gorleben dabei, es wird Zeit, unseren Unmut auch hier zu zeigen. Der Müll ist nun mal da, keiner will ihn haben, auch wir hier in unserem schönen Ammerland nicht. Der Protest muss sich gegen die Atomlobby richten, da liegt die Verantwortung. Ich werde 2031 nicht mehr auf der Welt sein, will aber auch nicht, dass mir der Atommüll die Grabstelle warm hält. Wie sollen meine Kinder und Enkelkinder damit leben? Es ist so aussichtslos. Wie können wir nur annehmen, dass es irgendwo auf dieser Welt für diesen Dreck einen sicheren Lagerplatz geben könnte. Wie einfältig ist der Mensch?

    • Schlimm finde ich, dass diese Standort-Option hier in der Gegend einfach totgeschwiegen wird. Egal, wie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich dieser Standort ist: Man muss den Menschen vor Ort doch die Chance geben, sich rechtzeitig damit auseinanderzusetzen – auch wenn es für die Entscheidungsträger unbequem ist. Diese Vogel-Strauß-Politik, nämlich einfach wegzuschauen und zu schweigen, weil dann dieser Mist vielleicht an uns vorbeigeht: Unglaublich! Und denen, die es dann doch wagen, auch die Möglichkeit Zwischenahn hinzuweisen, wird Panikmache und unverantwortliches Spielen mit den Ängsten der Menschen vorgeworfen. Lasst uns wachsam bleiben!

    • Peer Erdinger

      „Der Müll ist nun mal da, keiner will ihn haben, auch wir hier in unserem schönen Ammerland nicht. Der Protest muss sich gegen die Atomlobby richten, da liegt die Verantwortung.“
      Die boese Atomlobby kann aber keinen Zaubestab schwingen. Und nur weil wir denen sagen, wie boese sie sind, verschwinden die Anfaelle nicht.
      Wenn ein Standort gut ist, muessen wir ihn nehmen. Vom dagegen-sein verschwindet das Problem nicht…

      • Richtig – dagegen zu sein löst das Problem nicht. Die Energiesünden der Vergangenheit werden wir nicht aus der Welt schaffen. Aber die möglichen Standorte müssen informiert werden und so eine Chance haben, sich mit der Perspektive Atomklo zu befassen. Sonst wird letztlich kein einziger Standort zu realisieren sein. Machen wir uns nichts vor: Freiwillig will niemand, und aus Vernunftgründen wird ein Standort nur dort akzeptiert, wo das ganze Verfahren im Höchstmaße transparent abläuft. Nicht nur Bad Zwischenahn, alle Kandidat/innen werden sonst zum neuen Gorleben.

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