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Ein Kommentar von Aage Jordmundsen

Kultur ist nicht in erster Linie eine Frage des Geschmacks, sondern der Politik. Es ist Aufgabe der politisch Verantwortlichen, für ein vielfältiges kulturelles Angebot zu sorgen. Das geschieht durch die Kulturförderung, aber auch durch eigene kulturelle Aktivitäten, z.B. das Betreiben eines städtischen Theaters. Wer aber entscheidet konkret über das kulturelle Angebot? Für kleinere Kommunen sind da die Grenzen schnell erreicht. Eine Gemeinde von rund zwanzigtausend Einwohner/innen kann sich nicht unbedingt ein Kulturreferat leisten. Ob die Anbindung der Zuständigkeit für Kultur im Familienbüro dann sachgerecht ist, darüber mag man diskutieren. 

Nun konnten wir heute in der Tageszeitung lesen, dass der Verein Edewechter Kunstfreunde zukünftig mit der Gemeinde zusammenarbeiten will, um das kulturelle Angebot zu verbreitern. Die Kunstfreunde leisten ohne Zweifel Wertvolles für unsere „Kulturlandschaft“ – sie veranstalten Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und vieles mehr und bringen so Kultur in die Region – vielfältig, anspruchsvoll, unterhaltsam, mitunter elitär, mitunter massentauglich. Ein großer Einsatz an Kraft und Zeit durch ehrenamtliche Kulturschaffende, für den nicht genug zu danken ist. Auch verbunden mit einem großen Risiko – denn das Programm will auch finanziert sein. Eine Kooperation mit der Gemeinde kann da ein sinnvoller Ansatz sein, um das kulturelle Angebot zu erhalten. So weit, so gut.

Was heißt das aber nun konkret? In Edewecht wird die Gemeinde nach eigenen mehr oder weniger durchdachten Exkursionen mit Weihnachtsmusical und Jan Weiler in diesem Jahr gemeinsam mit den Kunstfreunden zwei Lesungen veranstalten. So steht es in der NWZ. Sky du Mont und Wibke Bruhns werden aus ihren Werken lesen und sicher ihr Publikum finden. Die Kriterien für die Auswahl dieser beiden Lesungen sind nicht bekannt. Möglicherweise gehören sie zu den teuren Angeboten des Kunstfreunde-Programms, so dass die Unterstützung hier willkommen ist.

Kulturelle Vielfalt? Zwei Lesungen. Wie abwechslungsreich. Ein Autor und eine Autorin, die beide letztlich aus der wert- und rollenkonservativen Ecke kommen. Wie abwechslungsreich. Nein, die beiden sind weder Experiment noch Wagnis, weder Provokation noch Innovation.

Wie steht es mit der Subsidiarität? Eine Gemeinde sollte erst dann selber tätig werden, wenn andere nicht zur Verfügung stehen. Darum ist dieses direkte Engagement der Gemeinde verfehlt, zumal es keinem erkennbaren kulturpolitischem oder ästhetischem Konzept folgt. Viel sinnvoller ist es, die Kulturförderung für Vereinen und Institutionen zu erhöhen. Diejenigen, die etwas davon verstehen, sollten in die Lage versetzt werden, ein vielfältiges Programm anzubieten. Konservativ, innovativ. Elitäre Nische, populäres Massenprogramm. Musik, Theater, Kunst, Politik, Aktion. Dann wird Kulturpolitik vorzeigbar.

Und nun Sky du Mont und Wibke Bruhns als Veranstaltung der Gemeinde? Nicht der Gemeinde, muss zunächst einmal klargestellt werden, sondern der Gemeindeverwaltung. Diese Entscheidungen liegen nicht in der Verantwortung der Politik, sie sind allein Sache der Bürgermeisterin. Der Gemeinderat ist damit nicht befasst.

Politik kann und soll auch gar nicht ins Programmheft hinein regieren. Sie kann nur den Rahmen für die Kulturförderung stecken. Nicht erst heute ist deutlich geworden, dass es hier einen Handlungsbedarf gibt. Über Kulturpolitik müsste in Edewecht geredet werden. Nicht nur im Gemeinderat. Ob es dafür einen hinreichenden Resonanzboden gibt, bleibt abzuwarten.

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So einfach liegen die Dinge nicht: Aage Jordmundsen schreibt über Kirche, Politik und Kultur – also über das Leben. Kommentiert aus dem Off, aber von Herzen. Meidet das Licht, weil er im Dunkeln besser denken kann. In gewisser Weise ein noch unentdeckter Missing Link.

  1. Jochen Gerdes

    Mit einer kleinen Einschränkung stimme ich dem Kommentator aus Dänemark zu. Ich meine jedoch, dass es zu einfach ist, die Bürgermeisterin mit der
    Verantwortung für eine eventuelle, nicht ganz glückliche Organisationsentscheidung allein zu lassen. Gespräche im Vorfeld könnten da hilfreich sein. Auch eine Gemeindeverwaltung kann allein -und erst recht mit anderen Organisationen- ein geeignetes Programm etablieren. Ich kenne solche Beispiele schon aus den 80er Jahren: Gemeinde Wardenburg.

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