Politik

Die Qual der Urwahl

WahlunterlagenNein, sie macht es mir derzeit nicht leicht, meine Partei. Urwahl. Zwölf Männer und drei Frauen wollen die Grünen in den Bundestagswahlkampf führen. Und die Basis soll entscheiden – also auch ich. Qual der Wahl? Nicht das Problem. Aber wie kann eine solch clevere Partei einen solch dummen strategischen Fehler machen? 

Die Spitzenkandidatur einer Bundestagswahl zu bestimmen – das ist die vornehmste Aufgabe der Parteigremien. Auf Parteitagen kann diskutiert und als fundierte Entscheidung abgestimmt werden, was Vordenker/innen (z.B. ein Parteivorstand) gern auch in Hinterzimmern gut vorbereitet haben. Denn bei Wahlen geht es um Programmatik, Durchsetzungsstärke, Persönlichkeit, Erfahrung. Vor allem aber: Um Strategie.

Nur weil sich ein eitles Spitzenteam nicht einigen konnte oder wollte, muss es jetzt unsere Basis richten. Schwarmintelligenz oder Schwarmdummheit? Strategie ist doch keine Frage, die durch eine Urwahl plausibel und durchsetzbar wird. Auch wenn die Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke es auf fortschrittlich dreht: „Mit der Urwahl leisten wir einen Beitrag zur Weiterentwicklung demokratischer Prozesse in unserem Land.“ Ach? Vielleicht weil wir hinterher wissen, dass es so eben nicht funktioniert.

Und nun habe ich die Wahl vom politischem Urgestein einerseits bis zum Wiedergänger andererseits, der nur zum Zwecke dieser Wahl in die Partei eingetreten ist. Fortschritt eben. Nicht strategisch, sondern schwärmerisch. Was haben die Piraten bloß aus uns gemacht!?

Alles halb so wild, weil die Kandidaten ja doch wie geplant Jürgen Roth und Renate Göring-Eckardt heißen werden, sagen manche. Oder Katrin Trittin und Claudia Künast. Dann also doch alles ein Fake? Und warum müssen wir uns dann landauf, landab mit Urwahlforen quälen? Ich bin ein Star, holt mich hier raus – leider kann Dirk Bach das nicht mehr moderieren.

Andere Parteien konzentrieren sich längst auf Inhalte und mediale Vermittlung ihrer Spitzen. Wir warten erst mal ab und spielen Urwald – äh, Urwahl.

Vollkommen egal, wer von den 15 Bewerber/innen es letztlich wird. Programm? Wird schon. Taktik und Strategie? Wir schärfen später.

Nein, ich werde mich wohl an dieser Farce nicht beteiligen.

 

über

Uwe Martens: Birdy. Bücher. Dansk. Djembé. Dram. Drum. FCSP. Foliba. Fotos. Kirche. Majiang. Musik. Oldenburg. Politik. PPP. PR. Web. Welt. Zukunft. 1959.

  1. Roland Kupsko

    !

  2. Ob nun einen, 11 oder keinen Spitzenkandidaten, das ist letzten Endes egal.
    Vor dem eigentlichen Wahlergebnis sind bereits zwei gesetzt.
    KGE(gewählt), COE(selbst ernannt).
    Ja, es ist eine selbstverliebte und inhaltslose Farce.

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