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Onno Viets und der Irre vom Kiez

Von Frank Schulz („Hagener Trilogie“) hatte ich bisher noch nichts gelesen – was sich nun als großes Versäumnis entpuppte. Mehr durch Zufall bekam ich sein neues Buch in die Hand bzw. auf den Kindle: „Onno Viets und der Irre vom Kiez“. Ein Thriller vom Feinsten!

Onno ist so etwas wie eine verkrachte Existenz mit ostfriesischen Wurzeln. Hat schon vieles ausprobiert, aber nichts richtig hinbekommen. Nun ist seine neueste Idee, Detektiv zu werden. Und sein alter Kumpel aus der Eppendorfer Pingpong-Runde, Rechtsanwalt, vermittelt ihm auch gleich den ersten Auftrag – eigentlich nur, um drohendes Unheil in Gestalt des Finanzamtes (das ein Bußgeld eintreiben will) abzuwenden. Wenn dieser Freund geahnt hätte, was er damit anrichtet … Denn Detektiv Onno soll feststellen, ob Fiona Popo ihren Freund betrügt – den Popmagnaten Nick Dolan.

Natürlich tut sie das. Ausgerechnet mit Tibor, genannt „Händchen“, ein Koloss von zwei Metern Größe und 130 Kilo Muskelmasse, rechte Hand eines Kiezoligarchen. Händchen hatte eine schwere Kindheit, und nicht nur das erklärt, warum er doch leicht reizbar und alles andere als berechenbar ist. Zu allem Überfluss findet er, dass Onno nun doch mal ein echter Freund ist – einer, dem man alles erzählen kann. Dass die Story trotzdem in der Katastrophe endet, verwundert dann aber angesichts der Umstände nicht. Ach ja, und dann ist da noch Dagmar, die den dramatischen Höhepunkt auf dem Alsterdampfer mit ihrer Videokamera aufnimmt.

Klingt etwas wirr? Ist es auch auch. Aber einfach genial, zumindest wenn man schräge Geschichten mag. Und: So manche realen Promis lassen sich doch hinter diesen Roamnfiguren erahnen. Die Story ist vielleicht nicht immer jugendfrei. Nackte Haut und viel Gewalt. Aber es ist nun mal eine Kiezgeschichte, öff, öff. Sprachlich exzellent in Szene gesetzt, von elaboriertem Code bis absolut unverständlichem Kiez-Slang. Anschaulich und konkret, als könnte man die Krimifiguren anfassen und vor allem riechen. Ja, so kann Krimi sein, und ich hoffe mal, dass der Autor Frank Schulz seinem Protagonisten Onno und den anderen aus der Clique noch weitere Erlebnisse aufnötigt.

Ausschnitte des Krimis gibt es als Hörbuch, gelesen von Frank Schulz gemeinsam mit Harry Rowohlt, Rocko Schamoni, Sven Regener, Karen Duve und anderen. Eine gelungene Ergänzung – es hätte gern auch der ganze Roman sein können. Nun denn: Wer den Dialekt im Ohr hat, hört quasi jeden Satz während des Lesens im Geiste mit. Anschaulicher geht es kaum.

Frank Schulz: Onno Viets und der Irre vom Kiez, Berlin 2012, 368 Seiten. Leseempfehlung, nicht nur für St. Pauli-Fans!!

über

Uwe Martens: Birdy. Bücher. Dansk. Djembé. Dram. Drum. FCSP. Foliba. Fotos. Kirche. Majiang. Musik. Oldenburg. Politik. PPP. PR. Web. Welt. Zukunft. 1959.

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