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Abschied bei Beduinen

In meinem Job war es schon häufiger meine Aufgabe, Kolleginnen und Kollegen zu verabschieden, die die Stelle wechselten. Gelegentlich habe ich dazu auf einen Text von Carmen Rohrbach zurückgegriffen:

Der Abschied von der Beduinenfamilie ist wie üblich knapp und kühl. Eigenartig, man wird willkommen geheißen wie ein Freund, aber man geht wie ein Fremder. Während Ankommende freudestrahlend mit warmherzigen Umarmungen, unentwegtem Händeschütteln und großzügiger Bewirtung begrüßt werden, sagt man zum Abschied einfach ma’a-salama und geht auseinander. Bevor man noch den Rücken gewendet hat, kehren die Leute an ihre Alltagsarbeit zurück …

Die Erklärung mag in einer seit Jahrtausenden geprägten Lebensweise liegen. Bei einem Volk der Nomaden und Händler waren wiederholte Trennungen nicht zu vermeiden, und jedesmal konnte es für immer sein. Trennungsschmerz aber lähmt und schwächt wie eine Krankheit … Gefühlvolle Zeremonien waren gefährlich, da sie die Trennung ins Licht des Bewußtseins heben. Der Abschied ist leichter zu ertragen, wenn der Reisende unauffällig verschwindet, als ginge er gar nicht wirklich fort. Sieht man sich wieder, ist die Freude übergroß, und es ist, als sei man nicht getrennt gewesen.“

(Carmen Rohrbach: Im Reich der Königin von Saba – Auf Karawanenwegen im Jemen; München, 4. Aufl. 2000, S. 102)

 

über

Uwe Martens: Birdy. Bücher. Dansk. Djembé. Dram. Drum. FCSP. Foliba. Fotos. Kirche. Majiang. Musik. Oldenburg. Politik. PPP. PR. Web. Welt. Zukunft. 1959.

  1. Hallo Uwe,

    das ist ein sehr schöner Text der zum Nachdenken anregt und der gewiss nicht nur in Edewecht für Edewechter lesens- und nachdenkenswert ist!

    Vielen Dank und eine guten Rutsch ins Neue Jahr auch für deine Familie!

    Gruß

    Fred

  2. Hallo Fred,
    stimmt – letztlich passt der Text ja auch gut zu solchen Zeitenwenden, wie wir sie zum Jahreswechsel immer haben.
    Euch ein richtig gutes neues Jahr!
    Gruß
    Uwe

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