Unsortiertes

Ein ganz normaler Samstag im Advent

Ich bin mir sicher: Die schönsten Geschichten schreibt das Leben. In diesem Fall diktierte das Leben einer guten Freundin die Geschichte in die Tasten. Auf dem Rückweg von Kopenhagen erreichte mich die folgende Mail:

„Hallo Uwe, ich hoffe, dein Wochenende war schön? Wir haben uns wahnsinniger Weise durch die völlig überfüllte Innenstadt in Oldenburg gequält. Ich war derartig genervt, dass ich nicht nach rechts oder links geschaut habe. Unsere Tochter wollte dann noch in so Girlie-Szene-Läden. Es stank fürchterlich nach Billigwaren aus Übersee, die Läden waren völlig überfüllt von völlig überstylten und teilweise hysterischen Mädels, und so ein schöner Jüngling legte Musik auf, dass man die stets lächelnde Verkäuferin anschreien musste. „Ich möchte bitte zahlen“ hörte sich sicherlich wie eine Beschwerde an. Ich glaube, wir hätten unserer Tochter nahezu alles gekauft, nur um da möglichst schnell wieder raus zu kommen. Und dann noch diese Hitze! Uns ist es ein Rätsel, warum man die Schlosshöfe und alle anderen Geschäfte auf gefühlte 32 Grad hoch heizen muss. Wir haben dann erkannt, dass wir zu alt für so was sind. Douglas war auch der Hammer! Man hätte einen Türsteher engagieren sollen, der, wenn ein Kunde herauskommt, einen neuen hineinlässt. Da ich einen ausgefallenen Wunsch hatte, der mir trotz Internetrecherche in allen Oldenburger Filialen nicht erfüllt werden konnte, war mein Geruchssinn innerhalb kürzester Aufenthaltsdauer völlig desensibilisiert, und ich hatte das Gefühl, dass ganz Oldenburg in einer Parfümwolke schwebte.

Wir wollten dann noch irgendwo gemütlich Kaffee trinken. Wir kommen echt vom Land, dass wir auch nur darüber nachgedacht haben! Das Grand Café hatte wegen Überfüllung geschlossen. In allen anderen Kneipen lief die Bundesliga-Show für extrem Gehörgeschädigte. Außerdem wurden die Türen zu den abgetrennten Raucherräumen offen gelassen, damit sich die schlechte und viel zu warme Kneipenluft mit der voll verqualmten Raucherluft ungehemmt mischen konnte und jeder Gast das Recht auf gleich schlechte Luft bekam. Da schmeckt der Kaffee und der Kuchen. Zu allem Überfluss hatte ich mein Portemonnaie vergessen. Das bemerkten wir bereits an der Kasse bei Media-Markt. Da die Schlange hinter uns sehr lang war und mein Mann seine Karte im Auto liegen lassen hatte, musste er mit seinem letzten Bargeld zahlen. In der Kneipe mussten wir dann rechnen, was wir uns noch so leisten können. Da das Kind völlig ausgehungert war, bekam es etwas zu essen – und wir begnügten uns mit etwas zu trinken. Natürlich gibt es Geldautomaten in Oldenburg. Als dieser mich höflich fragte, ob ich 5 Euro Bearbeitungsgebühr bezahlen möchte, sagte ich entschieden „nein!!!“ und drückte auf Abbruch. Damit hatten wir immer noch kein Geld. Aber Prinzip ist Prinzip! Wir fanden später eine Filiale unserer Hausbank und waren wieder flüssig.

Wir wollten unseren 2 Jahre alten Gutschein im Schwan einlösen und beschlossen, vor dem geplanten Kinobesuch, in weiser Voraussicht, einen Tisch für nach dem Kinobesuch zu reservieren. Als wir vor das Lokal fuhren, damit ich schnell hineinflitzen konnte, stand dort auf der Tafel links von der Eingangstür: „Heute ab 16.30 Uhr geschlossene Gesellschaft!“ Okay, dann behalten wir den Gutschein eben noch ein Jahr.

Im Kino waren die Schlangen auch unendlich. Auch für dort hatten wir Gutscheine, auch 2 Jahre alt. Als wir den Massenandrang realisierten, entschieden wir uns zu trennen. Ich war für die Karten verantwortlich, die anderen beiden für die Einlösung der Getränke- und Popcorn-Gutscheine. Endlich war ich an der Reihe. Ich sagte, welche Plätze und übergab meine Gutscheine. Nun, es musste die Vorgesetzte her, weil sich diese Dinger nicht mehr verrechnen ließen. Ein Anruf in der Zentrale sollte zur Klärung beitragen. Vorab und als kleinen Trost erhielt ich schon mal die 3D-Brillen. Hinter mir wurde die Schlange bereits ungehalten. Warum nur? Dann die Erleichterung, kurze Anweisungen, welche Knöpfe gedrückt werden müssen, die Gutscheine an die Abschnitte geheftet und dann noch die Karten ausgehändigt und fertig. Puh! Die anderen beiden hatten ziemlich zeitgleich die Verpflegung ausgehändigt bekommen – und ab zur Toilette. Das muss ich nicht beschreiben. Die Szenerie kennt jeder.

Im Kino war es dann eher besinnlich und wir ließen und für ca. eineinhalb Stunden zu den Pinguinen entführen. Das war erholsam. Danach bestand unsere Tochter darauf, zum Abschluss dieses tollen „Tochter-Tages“ (sie war sehr zufrieden) auf Einkehr bei McDonald‘s. Irgendwann resigniert man und gibt nur noch nach.Wir beschlossen den in Wechloy anzufahren, weil der auf dem Nachhauseweg liegt. Tja, was soll ich sagen … die Schlange zum McDrive führte fast zum Verkehrsstau aller Zufahrtsstraßen. Es hatten ja auch noch alle Geschäfte geöffnet und shoppen macht hungrig und alle großen und kleinen Menschen lieben McDonald‘s … Dieses Mal wollten wir nicht aufgeben. Okay, mein Mann, der den Laden abgrundtief verabscheut, seine Tochter allerdings abgrundtief liebt, bekam ein Menü ausgesucht, sonst stünden wir jetzt noch da. Dem Geschäftsführer ein Lob, er hatte für ausreichend Mitarbeiter gesorgt, so dass wir relativ schnell fertig waren. Und ab nach Hause. Auto ausräumen, Taschen auspacken, Waren an den dafür vorgesehen Platz bringen, ab aufs Sofa, in die Waagerechte und nach kaum mehr als zwei Minuten schliefen die Alten vor dem Fernseher. Oh, du besinnliche Vorweihnachtszeit.

P.S.: Habe gestern die restlichen Weihnachtsgeschenke bei uns im Ort gekauft, im Internet bestellt und einem lieben Freund in Auftrag gegeben. Mensch, hab ich ein Glück!“

Dem ist nichts hinzuzufügen, oder? Bestenfalls könnten wir jetzt noch der Frage nachgehen, wo Weihnachten denn nun entschieden wird …

Autor

Uwe Martens: Birdy. Bücher. Dansk. Djembé. Dram. Drum. FCSP. Foliba. Fotos. Kirche. Majiang. Musik. Oldenburg. Politik. PPP. PR. Web. Welt. Zukunft. 1959.

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