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Darko Dawson – ein Inspektor in Ghana

Kwei Quartey, Autor der Dawson-Krimis (Foto: Steve Monez)

Für passionierte Fans ist es reizvoll, besonderen Charakteren in Krimireihen immer wieder zu begegnen. Ob Sherlock Holmes, Arsène Lupin, Wallander, Commissario Brunetti oder den vielen anderen: Man gewöhnt sich an die vielleicht etwas kantigen, schrulligen Ermittler oder anderen Personen, denen man über die Jahre näher kommt.

Um einen weiteren solchen „Krimireihen-Ermittler“ soll es hier gehen: Detective Inspector Darko Dawson aus Accra in Ghana, dessen Ermittlungen uns mitten in den westafrikanischen Alltag führen. Geschrieben sind diese Krimis von Kwei Quartey, der in Ghana geboren und aufgewachsen ist und mittlerweile als Arzt in den USA lebt.

Quartey schreibt Krimis, zweifellos. Es gibt Ermordete, es gibt die ermittelnde Polizei, die am Ende den Fall aufklärt und die Täter überführt. Die Hauptfigur Darko Dawson ist durchaus so kantig, wie wir uns die Serienhelden wünschen: Ungeduldig, manchmal etwas aufbrausend, stets im Konflikt mit Vorgesetzten, mitfühlend, auch unkonventionell. Ein liebender Ehemann und Vater eines herzkranken Jungen, der in Ghana nicht die medizinische Versorgung bekommt, die er benötigt. Mit einer Schwiegermutter, die traditionellen Heilern ohnehin mehr traut als der modernen Medizin.

Und damit sind wir bei dem, was ich an diesen Krimis besonders reizt: Es sind exakte Beschreibungen des alltäglichen Lebens in dem aufstrebenden westafrikanischen Land. Kultur, Sprache, das Miteinander der verschiedenen Ethnien, die sozialen Probleme, die Modernität und gleichzeitig die Vertrautheit mit Fetisch und Hexenglauben: Die Dawson-Romane eignen sich als „soziale Reiseführer“ für alle, die sich mit Ghana näher beschäftigen wollen oder vielleicht eine Reise in das Land planen.

Dem Autor Quartey geht es immer um den Kriminalfall – aber eben auch um die Beschreibung des Lebens in seinem Heimatland. Gewiss, manchmal sind daher diese Schilderungen sehr dominierend; nicht jedes Detail ist für den Krimi wichtig. Aber für eine Annäherung an Ghana allemal.

Zwei Krimis in der Dawson Reihe sind bisher erschienen. Das Debüt, „Wife of the Gods“ aus dem Jahr 2009 spielt in der Volta Region im Westen Ghanas. Der Mord an einer jungen Studentin ist aufzuklären, und gleichzeitig löst Inspector Dawson das Geheimnis des Verschwindens seiner eigenen Mutter vor mehr als 20 Jahren. Dieser Krimi ist unter dem Titel „Trokosi“ in diesem Jahr auch in deutscher Sprache erschienen (man mag sich vom Klappentext des Bastei Lübbe Verlages nicht schrecken lassen). Trokosi, das sind die Frauen, die zumeist als junge Mädchen obskuren Fetischpriestern überlassen werden, um Unheil von einer Familie abzuwenden oder Schuld zu sühnen. Diese Frauen leben dann als Frauen der Priester in den Tempeln – sexuell ausgebeutet, entrechtet.

In diesem Sommer ist der zweite Band erschienen, bisher nur in englischer Sprache. „Children of the Street“ handelt vom Schicksal der Straßenkinder in Accra, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben zumeist aus dem Norden des Landes in die Hauptstadt kommen. Drogenkonsum, Prostitution, Hunger, Krankheit – den meisten der vielen tausend Straßenkinder bleibt auch in Accra nur die Hoffnungslosigkeit. Inspector Dawson muss eine Reihe von Morden an Straßenkindern aufklären. Der Autor gibt dabei Einblicke in die großen sozialen Probleme, vor die viele Metropolen in den ärmeren Länern der Welt heute gestellt sind.

Ich habe ja schon mehrfach bekannt: Ich bin eigentlich gar kein Krimifan. Aber auch ich habe den Reiz von wiederkehrenden Protagonist/innen entdeckt. Für mich sind weniger die Kriminalstories als solche das Faszinierende. Ich finde es spannend, wie gut Krimis sich eignen, eine Gesellschaft zu beschreiben: Kultur, Religion, Politik und vieles mehr. Je lebendiger, authentischer, alltäglicher das gelingt, desto begieriger warte ich auf den nächsten Band. Die Darko-Dawson-Mysteries gehören für mich unbedingt in diese Reihe.

Wer einen Faible für Afrika, insbesondere Westafrika hat, sollte sich diese Krimis nicht entgehen lassen.

Mehr über Kwei Quartey und seine Bücher gibt es auf der Webseite des Autors.

 

Autor

Uwe Martens: Birdy. Bücher. Dansk. Djembé. Dram. Drum. FCSP. Foliba. Fotos. Kirche. Majiang. Musik. Oldenburg. Politik. PPP. PR. Web. Welt. Zukunft. 1959.

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