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eine frage der balance

„auf jedem schiff, das dampft und segelt, ist einer, der das alles regelt“ – dieser spruch hat vor einigen monaten durch den fdp-vorsitzenden guido westerwelle neue berühmtheit erlangt. das miteinander von kapitän und mannschaft ist ein sensibles gebilde, nicht nur in parteien und auf hoher see, sondern auch in anderen organisationen an land, die sich mit der frage von leitung und autorität beschäftigen müssen.

in dem sehr lesenswerten roman „wir ertrunkenen“ des dänen carsten jensen habe ich auf den seiten 218f den folgenden sehr erhellenden abschnitt entdeckt:

„es war lediglich eine frage des gleichgewichts zwischen unterschiedlichen kräften. niemand fährt mit vollen segeln in einen schweren sturm. ein kapitän setzt nicht auf konfrontation. er lässt die segel reffen und findet einen ausgleich. jede wirkliche ordnung hing vom gleichgewicht ab, nicht von der unterdrückung des einen durch den anderen. daher gab es keine ordnung, die ein für alle mal galt.

einen augenblick bevor james cook … sein schicksal in form eines keulenschlags in den nacken und eines messers in den hals ereilte, signalisierte er seiner mannschaft, dass er hilfe brauche. doch … die männer, die ihn … verteidigen sollten, schmissen ihre musketen fort und flüchteten … . auf seiner letzten reise … hatte james cook elf seiner siebzehn matrosen auspeitschen lassen … . und als der augenblick kam da er ihre hilfe benötigte, drehten sie ihm ihre vernarbten rücken zu.

james cook hatte am falschen tauende gezogen.

es gab kilometerlanges tauwerk auf einem segelschiff, dutzende von blöcken, hunderte quadratmeter segeltuch. wenn man die segelstellung nicht ständig justiert, wird das schiff ein hilfloses opfer des windes. das gleiche gilt für das führen einer mannschaft. in den händen des kapitäns lagen hunderte unsichtbarer tauenden, ganz abgesehen von den sichtbaren. übernahm die mannschaft die macht, war es so, als übernähme der wind die macht. dann war es vorbei mit dem schiff. war der kapitän aber allmächtig, kam es einer flaute gleich. dann rührte sich das schiff nicht von der stelle. es entzog den männern jegliche initiative. sie leisteten nicht mehr ihr bestes, sondern gingen an alles widerwillig heran. es war eine frage der erfahrung und des wissens. vor allem aber war es eine frage der autorität. (…)

und das war kein gesetz, das hatte ihn das leben gelehrt. es war etwas anderes und viel komplizierteres. es war die balance.“

Autor

Uwe Martens: Birdy. Bücher. Dansk. Djembé. Dram. Drum. FCSP. Foliba. Fotos. Kirche. Majiang. Musik. Oldenburg. Politik. PPP. PR. Web. Welt. Zukunft. 1959.

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