Kommunikation Politik

toter briefkasten

früher war es irgendwie romantischer.

was mache ich denn heutzutage, wenn mir jemand eine nachricht zukommen lassen will, ohne dass ein anderer nachvollziehen können soll, von wem diese nachricht stammt? in zeiten digitaler kommunikation ein echtes problem. die vorratsdatenspeicherung hat uns im griff, und die spuren, die jede und jeder im internet hinterlässt, sorgen für gläserne agenten. gläsern: nicht unsichtbar. gläsern: leicht zu durchschauen. anonym ist schwierig. jedenfalls auf den ersten blick.

was mache ich also? ich könnte zum beispiel einen brief anonym in einen briefkasten werfen lassen. so einen kasten hatten wir auch, als ich vor zeiten noch in der mitarbeitervertretung war. der ist nur selten genutzt worden – die angst, beim einwurf doch von jemandem beobachtet zu werden, war zu groß.

vielleicht geht es so wie in geheimdienstgeschichten von früher (und wer weiß, vielleicht auch von heute)? an einer geheimen und möglichst versteckten stelle, z.b. im wald, wird eine botschaft für mich in einem hohlen baum versteckt. dann wird an anderer stelle (wie verabredet) etwas markiert – zum beispiel an einem straßenschild, damit ich weiß, dass eine nachricht für mich versteckt wurde. dann leere ich den „toten briefkasten“ und gebe wiederum ein verabredetes zeichen. so wissen beide seiten, dass der austausch geklappt hat – ohne dass irgendjemand etwas gesehen hat oder nachvollziehen kann. irgendwie eben: romantisch.

es gibt auch im zeitalter elektronischer kommunikation tote briefkästen. nicht im wald, sondern über dienste, die im internet den anonymen austausch von e-mails ermöglichen. versand ohne absender, ohne nachvollziehbare wege. nicht gläsern, sondern unsichtbar.

ich habe mir einen solchen toten briefkasten zugelegt. wer möchte, kann mich also auch anonym erreichen und mir botschaften, nachrichten, informationen, ja sogar dokumente zukommen lassen. ohne dass ich oder sonst jemand nachvollziehen kann, wer die post in den digitalen toten briefkasten gesteckt hat. jeder absender, jede absenderin kann selber entscheiden, wieviel er oder sie von sich preisgeben will. nicht sonderlich romantisch, aber effektiv.

mein toter briefkasten ist hier erreichbar. (oder über das impressum.)

man weiß ja nie. anlässe und gründe gibt es immer. etwa nicht?

Nachtrag: Der Dienst wurde im Juni 2013 leider abgeschaltet. Sobald ich mich für eine Alternative entschieden habe, richte ich wieder einen toten Briefkasten ein. Versprochen.

Autor

Uwe Martens: Birdy. Bücher. Dansk. Djembé. Dram. Drum. FCSP. Foliba. Fotos. Kirche. Majiang. Musik. Oldenburg. Politik. PPP. PR. Web. Welt. Zukunft. 1959.

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.