Mah-Jongg

abschied von Kyoichiro Noguchi

zu den traurigen momenten des zu ende gehenden jahres gehört der tod des japanischen verlegers kyoichiro noguchi. er war ein großer förderer des mah-jongg-spiels, nicht nur in japan, sondern in der ganzen welt. es ist zu einem großen teil das verdienst von herrn noguchi, dass die modernen mahjong competition rules eine derartige beachtung gefunden und sich mehr und mehr als internationale standardregel für mah-jongg-turniere durchgesetzt haben. als sponsor zahlreicher turniere hat er die entwicklung des organisierten mah-jongg-sports auch in europa befördert. in den 90er jahren gründete noguchi das mahjong museum in chiba in der nähe von tokyo mit einer sehr beachtliche sammlung zur mah-jongg-geschichte.

ich habe kyoichiro noguchi nie persönlich kennen gelernt, aber seit 2001 über mehrere jahre eine intensive e-mail-kommunikation mit ihm gepflegt. noguchi selber sprach kein englisch, aber die verständigung klappte sehr gut über sein sekretariat, das unsere briefe übersetzte. schon in der ersten phase der recherche zu meinem handbuch: mah-jongg habe ich mich an das mahjong museum und an herrn noguchi gewandt und wichtige hilfestellungen bekommen. noguchi war es dann auch, der mich sehr ermuntert und ermutigt hat, die internationale spielregel in mein buch aufzunehmen. er hat mich dazu mit ausführlichen regelinformationen versorgt, und ich war durch herrn noguchi vermutlich der erste europäer, der eine komplette übersetzung der chinesischen regel aus dem jahr 1998 in deutscher sprache vorliegen hatte. für die vorbereitung der europameisterschaften 2005 in den niederlanden, an denen ich als schiedsrichter mitgewirkt habe, verfügten wir auf diese weise über wertvolle detailkenntnisse zu diesen spielregeln.

als ich kyoichiro noguchi dann bat, das vorwort zu meinem mah-jongg-buch zu schreiben, ist er dieser bitte sofort nachgekommen. von einem chinesischen mah-jongg-forscher weiß ich, dass herr noguchi mein buch dann seinen besuchern nicht ohne stolz präsentiert hat – war dies doch ein sichtbares zeichen dafür, dass seine bemühungen zur förderung des mah-jongg-spiels auch in europa auf fruchtbaren boden gefallen waren. auch nach erscheinen meines buches hatte ich regelmäßig kontakt zu noguchi, insbesondere in meiner funktion als präsident der european mahjong association (ema).

ein buch des mahjong museums, dass mir kyoichiro noguchi 2002 schenkte, hat mich auf die idee gebracht, selber auch eine kleine sammlung von mah-jongg-spielen und zubehör zu beginnen. es war eine art katalog des museums, bei dem jedem mah-jongg-fan das herz höher schlagen musste angesichts der unglaublich schönen ausstellungsstücke, die dort beschrieben waren. später hat das museum unter noguchis leitung übrigens noch einen weiteren wunderschönen bildband herausgegeben (in dem auch das cover meines buches abgebildet ist).

kyoichiro noguchi hat uns auch bei einem ganz anderen problem sehr geholfen. ich hatte aus den resten eines hotelcasinos in düsseldorf, in dem hauptsächlich asiatische gäste verkehrten, zwei elektrische mah-jongg-tische erstanden, die aber beide repariert bzw. vervollständigt werden mussten. die beiden neuen tischeigentümer  (ein mah-jongg-freund aus osterholz-scharmbeck und ich) versuchten nun, mit dem hersteller der tische in japan (takinuma) in kontakt zu treten. ein aussichtsloses unterfangen: zwar antworteten die japaner sehr prompt, aber in einem vollkommen unverständichen englisch. dann kam mir die idee, herrn noguchi einzuschalten und ihn zu bitten, für uns die bestellung bei takinuma zu regeln – binnen kürzester zeit hatten wir unsere ersatzteile und konnten die tische wieder fit machen.

kyochiro noguchi starb im oktober 2010 nach längerer krankheit im alter von 76 jahren. ich bin sicher, dass sich viele mah-jongg-spieler/innen in japan und in der ganzen welt in dankbarkeit an den visionär und mäzen des mah-jongg-spiels erinnern werden. einen ausführlichen nachruf gibt es auch auf der internetseite von martin rep. ich veröffentliche hier noch einmal das vorwort meines buches, das kyoichiro noguchi im jahr 2004 geschrieben hat (in der englischen übersetzung, die sein büro angefertigt hat):

Mahjong is the supreme game contrived by mankind

Mahjong is so called “an Oriental culture” born in China, but it was brought to Western World in the beginning of 1920s and created a boom in Europe and America.  I am glad to hear that the stream of this game culture has been handed down unbrokenly in Germany, and I cannot help feeling the supremacy of Mahjong game.

Mahjong has a history of 1,000 years if it is traced back to its former body of dice game and card game.
Various contrivance and improvement have been made in its long history, and what was born as its comprehensive compilation 150 years ago is the today’s mahjong, which can be said to be the very sublime game of mankind.

Mahjong is said to project the life of man.  There are joys and angers, visions, construction, accomplishments and overturn in and through the game.  Not only the power of thinking and decision making, but also aesthetic sense and sensitivity are strongly demonstrated in the game of mahjong.  There are schools and municipalities in Japan that are adopting mahjong game as the means to cultivate intelligence of young people or to prevent senility of aged person as the power of flexible application is required for this game.

JMOC (Japan Mahjong Organizing Committee) held “2002 World Championship in Mahjong” in Tokyo in October 2002 under the joint auspice with Ningbo City Mahjong Sports Association in China, the birth place of modern mahjong, in which 100 players from many countries in the world participated.  This was the first official international championship under the official international mahjong rule established in 1998 by the China State Sports Commission, and as a result of success of this event, mahjong players in every country are now showing a strong tendency to form mahjong game organization.  I am very glad as the organizer of this competition to hear that mahjong federation has been established in many countries.

Mahjong is the global game that can be played commonly beyond the races and national borders.  I heartily hope that this book authored and edited by the international mahjong researcher, Mr. Uwe Martens, would be read by many peoples, and many excellent international mahjong players will be born.

January 2004

Kyoichiro Noguchi
Director of Japan Mahjong Organizing Committee (JMOC)
Director General of Japan Mahjong Museum

(foto: takeshobo)

über

Uwe Martens: Birdy. Bücher. Dansk. Djembé. Dram. Drum. FCSP. Foliba. Fotos. Kirche. Majiang. Musik. Oldenburg. Politik. PPP. PR. Web. Welt. Zukunft. 1959.

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