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Trommelklänge und plattdeutsche Lieder

Ungewöhnliche Klänge in der St. Nikolai-Kirche: „Akpe mada na mawu“! Begleitet von kräftigen Trommelrhythmen erklingt ein Kirchenlied aus Westafrika. Es ist der Besuch aus unserer Partnerkirche in Ghana, der an diesem Sonntag im Juli unseren Gottesdienst bereichert, und die Gemeinde singt kräftig mit.

Jugendpastor Richard Nimo, Victor Elorm Anyomi (23) und Jennifer Yawa Okrah (25) kommen von einer Jugendbegegnung, organisiert vom Landesjugendpfarramt und der Norddeutschen Mission. Zunächst hatten sich die jungen Menschen aus Togo, Ghana und Deutschland mit „Visionen von Zukunft“ beschäftigt. Im Anschluss ist die Delegation aus Ghana nun für eine Woche in Familien in Edewecht zu Gast, um unseren Alltag und unsere Kultur kennen zu lernen.

Jennifer berichtet, dass sich trotz aller Unterschiedlichkeit der konkreten Lebensbedingungen die Zukunftsvorstellungen von jungen Leuten in Deutschland und Westafrika sehr ähneln. Der Schutz unserer Umwelt sei am Wichtigsten. Victor ergänzt: „Angesichts der Klimaveränderung sitzen wir auf einer Zeitbombe. Es ist höchste Zeit, etwas dagegen zu tun!“ Die Westafrikaner sind fasziniert vom technologischen Fortschritt in Europa. So werde z.B. die Wiederverwertung von Abfällen und die Schonung von Ressourcen auch für Afrika von großer Bedeutung sein. Aber die Europäer müssten sich auch bewusst machen, dass ihr Handeln die Lebensbedingungen überall auf der Erde beeinflusse.

„Für eine erfolgreiche Entwicklung ist es notwendig, seine Ziele beharrlich zu verfolgen“, diese Erfahrung nimmt Jennifer mit. Pastor Nimo mahnt aber zugleich an, dass auch die spirituelle Seite nicht zu kurz kommen darf. „Wohlstand ist nicht alles“, so sagt er. Victor pflichtet ihm bei: „Der Mensch braucht auch Zeit für Gott und zum Nachdenken über die Frage nach dem Sinn unseres Lebens.“

Der Jugendpastor stellt fest, dass es seit seinem letzten Besuch in Deutschland vor neun Jahren keinen großen Fortschritt hinsichtlich des Gottesdienstbesuchs von Jugendlichen gibt. „Die Deutschen können von den Afrikanern lernen, Gottesdienste für junge Menschen attraktiver zu machen“, so Jennifer. Ohne die Beteiligung von Jugendlichen am Gottesdienst werde es für die kirchliche Arbeit in der Zukunft schwierig, meint Victor.

In diesen Tagen in Edewecht steht neben Besichtigungen und Ausflügen auch ein Gespräch mit der Bürgermeisterin auf dem Programm. Es wird viel miteinander gefeiert und gesungen. „Dat du min Leefste büst“, gespielt mit Trommelbegleitung, ist der gemeinsame Hit.

„In der Gemeinschaft Christi gibt es keine Fremden, wir sind alle Geschwister“, sagt Pastor Nimo in seinem Grußwort in der Kirche. Und das ist auch die Erfahrung der Gastgeber: Die Familien sind ein bisschen größer geworden, auch wenn die neuen Familienmitglieder längst wieder in ihre westafrikanischen Heimat zurückgekehrt sind.

(dieser artikel erschien zuerst im september 2010 in „kark un lüe“, dem gemeindebrief der ev.-luth. kirchengemeinde edewecht. den verzicht auf die radikale kleinschreibung bitte ich zu entschuldigen.)

Autor

Uwe Martens: Birdy. Bücher. Dansk. Djembé. Dram. Drum. FCSP. Foliba. Fotos. Kirche. Majiang. Musik. Oldenburg. Politik. PPP. PR. Web. Welt. Zukunft. 1959.

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