Kommunikation

geflattr

flattrja, ich gebe es zu. auch ich habe mich bei flattr angemeldet und die grün-orangenen flattr-buttons nun auf meiner webseite. ob flattr wirklich funktioniert (nicht im technischen sinne – ich meine, ob die idee von flattr funktioniert), ist schwer zu beurteilen. aber es ist ein interessanter versuch einer antwort auf die frage, was internetnutzer/innen die beiträge wert sind, die im weltweiten netz verfügbar sind.

flattr ist ein sogenannter micropayment-service: ein bezahldienst, mit dessen hilfe beiträge auf webseiten honoriert werden können. mitmachen kann, wer sich bei flattr anmeldet. anschließend muss eine summe transferiert werden, die als monatliches budget für das “flattern” zur verfügung stehen soll. das sind mindestens 2 euro, es kann aber auch ein vielfaches dieses betrages sein. sobald ich geld auf mein flattr-konto eingezahlt habe (das funktioniert mit paypal oder moneybookers), kann ich anfangen, beiträge anderer autoren z.b. in blogs etc. zu honorieren, wenn sie mir gefallen – und zwar ganz einfach, indem ich auf den entsprechenden flattr-button auf der webseite klicke. der betrag, den ich monatlich zum flattern zur verfügung habe, wird durch die anzahl der klicks geteilt, die ich im monat getätigt habe. wie ein kuchen, der in mehrere stücke geteilt wird – und für jeden klick wird dem jeweiligen autor bzw. der autorin der anteilsbetrag gutgeschrieben. beträgt mein budget etwa 2 euro und klicke ich auf 20 beiträge, bekommt jeder beitrag also 10 cent aufs konto. allerdings gibt es auch eine geringfügige flattr-gebühr, und die geldüberweisung ist auch nicht ganz kostenlos.

natürlich kann ich auch auf meiner eigenen webseite den button installieren. so können dann auch meine beiträge geflattert werden. “to flatter” ist übrigens englisch und heißt “schmeicheln” , und darum geht es: durch – wenn auch kleine – beträge deutlich machen, dass man die urheberschaft von autor/innen anerkennt und wertschätzt. texte, fotos und mehr.

es gibt übrigens durchaus mehrere dienste, die zur zeit mit micropayment-systemen experimentieren. hinter flattr verbirgt sich u.a. der schwede peter sunde, mitbegründer der filesharing-plattform pirate bay. die idee zu flattr entstand schon 2007, aber erst in diesem jahr wurde der dienst gestartet.

da flattr immer noch als beta-version erprobt wird, kann man sich dort zur zeit nicht direkt anmelden, sondern nur, wenn man einen “invite code” hat. den kann man direkt auf der flattr-webseite anfordern.

ob flattr funktionieren wird? ich weiß es wirklich nicht. es wird davon abhängen, mit welcher haltung sich die nutzer/innen diesen dienst zu eigen machen. wenn alle sich dort nur anmelden, um selber geld zu verdienen, wird es nicht klappen. die erste intention muss eigentlich sein, anderen autoren und autorinnen mit kleinen summen anerkennung auszudrücken. reich werden kann man wohl selbst als profi-blogger durch flattr zunächst einmal nicht. aber flattr wird die frage nach der kostenlosen verbreitung von inhalten neu in schwung bringen und die frage von urheberrecht und der bezahlung für internetinhalte beflügeln. ich denke, das ist auch höchste zeit. denn wie ich selbstverständlich bezahle, wenn ich z.b. die taz im abonnement als zeitung lese, so ist doch die frage zu beantworten, ob die publizistische arbeit nicht auch bezahlt werden muss, wenn ich sie nicht am kiosk oder per postboten bekomme, sondern (bisher kostenfrei) im internet lese. die taz, darum das beispiel, hat schon länger damit experimentiert, dass sie die leser/innen zu freiwilligen geldüberweisungen aufgefordert hat, wenn ihnen ein beitrag gut gefällt. nur konsequent, dass auch die taz seit einigen tagen flattr nutzt.

die anzahl der flattr-accounts steigt täglich – und damit auch die möglichkeit, autoren und autorinnen zu schmeicheln und ihre beiträge zu flattern. es wäre spannend, wenn sie dieses durchaus auch soziale experiment bewährt und damit eine antwort auf die wichtige frage gegeben wird, die durch das internet aufgeworfen wurde: wie kann es gelingen, inhalte frei verfügbar zu halten und dennoch dem anspruch auf gratifikation von autor/innen gerecht zu werden?

weitere informationen über flattr gibt es natürlich auf der flattr-webseite. dort ist auch ein kleiner film veröffentlicht, der das prinzip von social payment sehr anschaulich beschreibt. vielleicht überzeugt es dich auch?

Autor

Uwe Martens: Birdy. Bücher. Dansk. Djembé. Dram. Drum. FCSP. Foliba. Fotos. Kirche. Majiang. Musik. Oldenburg. Politik. PPP. PR. Web. Welt. Zukunft. 1959.

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