Edewecht Kommunikation Politik

ein blog aus der heimat

als oberstufenschüler am lothar-meyer-gymnasium mitte der 70er jahre dachte ich wie viele meiner mitschüler/innen: nix wie weg hier – raus aus dem mief der provinz. für viele von uns war klar, wir würden unsere vertraute stadt nach dem abitur verlassen – und möglichst nur noch zu besuch wiederkommen. varel: das war für uns damals der inbegriff von enge, kleinbürgertum, beschränktem horizont. so wie es wahrscheinlich vielen jugendlichen damals ging, die in vergleichbaren orten aufwuchsen. nachzulesen ist das ja u.a. im “jugendroman” von gerhard henschel; ich habe im blog über das buch geschrieben. mich trieb das leben hinaus ins studium nach berlin, göttingen, kassel, darmstadt. bis ich dann doch wieder in der nähe dieser heimat gelandet bin.

ja, ich gestehe es: wie sehr ich mit dieser heimatstadt varel verbunden bin, wie sehr mich das aufwachsen in der bachstraße, das spielen auf dem friedhof, die “kämpfe” mit den kindern der mozartstraße und der kommodore-bonte-straße geprägt haben, ist mir erst in der ferne und vor allem erst im laufe der jahre klar geworden. und so sind der fisch vom hafen, der spaziergang in dangast und der neueste tratsch über karl-heinz funke ein stück heimat, das ich nicht missen möchte. der besuch bei meiner mutter bedeutet häufig auch, den friebo mitzunehmen, dieses anzeigenblatt, dessen redaktionelle qualität für darartige blätter einzigartig ist. im ammerland haben wir so etwas nicht. und natürlich schaue ich ab und zu bei nwzonline.de, was denn in varel so passiert. auch aus der näheren ferne edewechts bleiben die nachrichten interessant, und nicht nur, weil ich zusammen mit dem spd-fraktionsvorsitzenden abitur gemacht habe. dass sich manche meiner mitschüler/innen auch eines besseren besonnen haben, zeigen unsere klassentreffen deutlich: es ist doch erstaunlich, wie viele von uns wieder in der region gelandet sind – obwohl wir eigentlich zum schafe züchten nach australien wollten.

neuigkeiten und alltag aus varel: so habe ich mich sehr gefreut, als ich von dem start eines neuen projekts mit vareler nachrichten hörte: vom blog für varel, das von djure meinen initiiert wurde. dort finden sich nachrichten, kommentare, auch ganz persönliche sichtweisen aus varel und umzu, die “heimat” bei mir auslösen. dabei beschränkt sich der herausgeber nicht auf varel im engeren sinn, was mich erst irritiert hat, sich aber mehr und mehr als goldrichtig erweist. denn natürlich gehört die nachbarschaft, gehören die wehde, friesland insgesamt und auch die wesermarsch zum vareler leben dazu. ein heimatblog – das klingt vielleicht so verstaubt, wie varel in meinem erleben als 17jähriger war. aber wenn man sich mit diesem heimatgefühl arrangiert hat, wenn man zulässt, dass man als friese nun mal friese bleibt und das leben weit wech von der küste irgendwie mangelhaft ist – dann kann man freude und neugierde empfinden an den themen, die das leben in varel ausmachen. und da geht es gerade nicht beschaulich zu, sondern hochpolitisch, wie z.b. in der serie zur haushaltssituation der stadt, die in diesen tagen im varelblog veröffentlicht wurde.

djure meinen zeigt mit diesem experiment, dass solche blogs, die sich mit selbst ernannter autorität das recht der berichterstattung und meinungsbildung einräumen, allemal ihre berechtigung haben und das spektrum engagierter publizistik angenehm erweitern. wie schreibt djure meinen im blog so treffend: “varel am jadebusen hat für seine größe … eine überraschend gute lokalzeitung und zudem ein ungewöhnlich reges anzeigenblatt. und dennoch scheint platz für mehr.” recht hat er. und ich sage: danke für diese heimat-berichterstattung im besten sinne! ich hoffe auf viele spannende nachrichten aus varel, das vielleicht immer noch provinz ist, aber nunmal auch den friedhof beherbergt, auf dem ich einst begraben sein möchte.

allen alten vareler/innen nun die wiederum mein blog hin und wieder aufsuchen, sei das “blog für varel” wärmstens ans herz gelegt. und den neu-varelern, die sich dort einrichten, natürlich auch.

über

Uwe Martens: Birdy. Bücher. Dansk. Djembé. Dram. Drum. FCSP. Foliba. Fotos. Kirche. Majiang. Musik. Oldenburg. Politik. PPP. PR. Web. Welt. Zukunft. 1959.

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