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„da denk‘ mal drüber nach“ – der oowv und seine vorsteher

dass man als grüner immer seiner zeit voraus ist, diese erfahrung macht wohl jeder, der sich für diese partei in kommunaler oder sonstiger politik engagiert. meist braucht es ein bis fünf jahre, bis der politische mitbewerber grüne anträge aufnimmt und als eigene initiative verkauft. eine neue dimension dieser politischen halbwertszeit aber wird angesichts der aktuellen auseinandersetzungen um den (seit wenigen tagen: ehemaligen) verbandsvorsteher des oowv, karl-heinz funke erreicht. mit phantastischer zwölf jahren verspätung wird zum thema, was wir in edewecht längst angeprangert hatten. aber der reihe nach.

der oowv ist der oldenburgisch-ostfriesische wasserverband – zuständig für die wasserversorgung unserer region. vorsteher des waserverbandes ist immer ein kommunalpolitiker, bis vor wenigen tagen eben jenes vareler spd-urgestein, ex-landwirtschaftsminister karl-heinz funke. obgleich der job mit ca. 30.000 euro im jahr honoriert wird, hatte funke sich den weitaus größten teil seiner silberhochzeit im jahr 2007 vom oowv bezahlen lassen (8.000 euro) – die nordwest-zeitung hatte dies aufgedeckt. begründung: es seien auch geschäftspartner des oowv eingeladen gewesen. angeblich gab es aus grauer vorzeit, als der wasserverband noch von dem duo swieter/zu jührden geleitet wurde, mündliche (!) verabredungen über derartige zuschüsse zu jubiläen und feiern. obwohl funke das geld mittlerweile zurückgezahlt hat, war er als vorsteher nicht haltbar und musste zurücktreten, ebenso der geschäftsführer des verbandes. nun kommen im nachgang auch weitere unsaubere oowv-finanzgeschichten ans tageslicht, und endlich sind wir in edewecht.

vorgänger von karl-heinz funke als oowv-verbandsvorsteher war nämlich bis 2001 der langjährige edewechter bürgermeister und ammerländer landrat heinz zu jührden (cdu). im zuge der recherchen über den funke-vorgang berichtete die nwz dieser tage, der oowv habe offenbar einen zuschuss zu der beerdigung zu jührdens gezahlt, der 2008 gestorben war. außerdem wird berichtet, zu jührden habe auch noch nach seinem ausscheiden aus dem oowv weiterhin seinen dienstwagen aus vorsteherzeiten zur verfügung gehabt. dienstwagen? da war doch was?

richtig! im jahr 1997 sollten im edewechter gemeinderat wieder einmal die aufwandsentschädigungen erhöht werden. die fraktion bündnis 90/die grünen brachte einen antrag ein, auf die erhöhung zu verzichten und stattdessen projekte zu fördern. darüber berichtete der löwenzahn, jene legendäre, berühmt-berüchtigte edewechter zeitung der grünen, in seiner 60. ausgabe im dezember 1997. nachdem ich den grünen antrag seinerzeit in der ratssitzung begründet hatte, antwortete u.a. heinz zu jührden, bürgermeister und verbandsvorsteher des oowv, der alle seine fahrten mit dem dienst-bmw des wasserverbandes erledigte. im löwenzahn nachzulesen:

“heinz zu jührden (cdu) wies darauf hin, dass seine aufwandsentschädigung nicht zu hoch ausgefallen sei (er erhält im nächsten jahr 2.424 dm mehr), da er sich in den über 30 jahren, seit er bürgermeister sei, noch nie einen pfennig für fahrten außerhalb edewechts habe erstatten lassen. ‘das können sie von sich nicht behaupten!’, rief er den grünen zu.” (löwenzahn nr. 60, dezember 1997, seite 2)

das war natürlich eine steilvorlage für uns. und so habe ich im löwenzahn gleich neben dem artikel über das geld für die ratsmitglieder folgende kleine anfrage gestellt:

“was uns schon immer interessierte …
warum trägt das auto des edewechter bürgermeisters eigentlich ein braker kennzeichen und nicht das uns so vertraute ‘wst’? ist er oder sein auto etwa nicht in der gemeinde gemeldet? oder gehört ihm der wagen vielleicht gar nicht?” (ebd. – siehe faksimile oben)

(natürlich wusste jeder politisch interessierte edewechter, warum zu jührden einen bmw mit dem kennzeichen der stadt brake, dem sitz des wasserverbandes, fuhr.)

was lernen wir daraus? der oowv war offenbar schon immer recht großzügig in der ausstattung seiner vorsteher. übrigens hat zu jührden seinen 80. geburtstag damals groß gefeiert, auf der so genannten “ponderosa”, eine art gastronomischer betrieb, der zu jührden gehörte. eingeladen hatte aber nicht er, sondern – man höre – der landkreis ammerland, die gemeinde edewecht und der oowv. ein schelm, wer böses dabei denkt. all das hätte man schon seit 1997 zum thema machen können. wir waren unserer zeit (wieder einmal) voraus.

was hätte nun funke in seiner zeit als stellvertretender vorsteher von zu jührden lernen können? zumindest, dass man die tragfähigkeit der politischen netzwerke nicht überdehnen darf, wenn man leichen im keller hat. es ist sicher kein zufall, dass die munkeleien über zu jührden zu seinen lebzeiten nicht zu schlagzeilen geführt haben – abgesehen vom löwenzahn. wer seine genossen aber so verprellt, wie funke es in letzter zeit getan hat, muss sich nicht wundern, wenn die heckenschützen auf einmal loslegen. und zwar gnadenlos. zu jührden hatte ein feines gespür für das machbare, das erträgliche, das gerade noch geduldete – oder das geschäft auf gegenseitigkeit. all das ist funke offenbar abhanden gekommen.

“da denk’ mal drüber nach” – das war einer der liebsten aussprüche heinz zu jührdens, wenn es darum ging, kritik im keim zu ersticken und den politischen gegner zum schweigen zu bringen. dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. auf die anfrage im löwenzahn hat zu jührden übrigens nicht mit einer silbe reagiert.

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