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cybook opus – bücher für unterwegs

für einen klassischen bücherfreund mag die nutzung eines e-readers zum lesen elektronischer bücher eine anfechtung sein. ich habe meinen widerstand gegen diese andere form des lesens – wie berichtet – vor einigen wochen aufgegeben. glücklicherweise. e-buch und e-reader ersetzen den buchdruck sicher nicht. bücher, so vermute ich, wird es noch lange, wenn nicht sogar immer geben. aber auch der e-reader hat seinen wert.

in den letzten monaten hat sich die menge der in deutschland verfügbaren geräte vervielfacht. die frage, welcher e-reader der richtige ist, lässt sich nicht pauschal beantworten – zudem auch die ideologen der neuen e-reader-welt sofort zur stelle sind: braucht ein gerät einen wlan-anschluss? muss es ein touchscreen sein? muss es eine notizbuch-funktion geben, handschrifterkennung und und und? ich wollte einfach nur ein gerät haben wollte, dass folgende kriterien erfüllt:

  • es sollte ein reines lesegerät für e-books und kein multifunktionsgerät sein,
  • es sollte kompakt sein,
  • es sollte wenig gewicht haben.

so habe ich mich für den e-reader cybook opus des französischen herstellers bookeen entschieden, zu der zeit das einzige gerät auf dem deutschen markt, dass meine anforderungen erfüllte. mittlerweile gibt es auch das attraktive pocketbook 360° aus der ukraine. aber dazu später mehr.

das lesegefühl bei e-readern mit der e-ink-technologie ist im ersten moment gewöhnungsbedürftig. der bildschirm ist nicht hintergrundbeleuchtet, was überhaupt erst ein langes und ermüdungsfreies lesen ermöglicht – anders als z.b. das lesen auf dem iphone, das ja auch mit büchern oder zeitungen bestückt werden kann (ich lese etwa die digitale ausgabe der tageszeitung im epub-format häufig auf dem iphone). zum lesen auf dem e-reader benötigt man also licht; für schummrige beleuchtung ist die darstellung nicht kontrastreich genug.

das lesen fühlt sich in etwa so an wie das lesen von büchern, die auf recyclingpapier gedruckt sind. bei sonnenlicht ist der e-reader gegenüber büchern aus rein weißem papier sogar im vorteil, weil die blendwirkung geringer ist. die lesequalität ist ansonsten natürlich abhängig von der bildschirmauflösung der verschiedenen geräte.

cybook opus – ein flexibles lesegerät

das cybook opus ist ein reines lesegerät ohne notizbuchfunktion. es hat einen 5-zoll-bildschirm mit einer guten textdarstellung und einem großen speicher, der mit einer micro-sd-card auch noch erweitert werden kann. ein kompaktes gehäuse (ca. 151 x 108 x 10 mm) mit wenigen bedienelementen gibt dem bildschirm den entscheidenden platz und lenkt das auge nicht ab. (eine mini-tastatur wie z.b. beim kindle von amazon würde mich beim lesen sehr stören.)  das geringe gewicht (150 g) macht das gerät zu einem mobilen lektürespeicher, den man wirklich immer dabeihaben kann. es passt wirklich in die hosentasche, es kann mit einer hand spielend gehalten und bedient werden. in bus oder bahn, an der haltestelle, im wartezimmer, in langweiligen sitzungen – überall dort, wo ein buch schwer zu händeln ist oder auffallen würde, ist das cybook opus eine alternative. manchem mag das kunststoffgehäuse zu billig wirken – etwa gegenüber dem aluminium-outfit der sony-reader. das gerät liegt aber gut in der hand, und der gewichtsvorteil ist wirklich erheblich. so kann man mehrere bücherregale ständig verfügbar haben und kann den lesestoff der jeweiligen lesestimmung anpassen.

für mich als linkshänder ist besonders komfortabel, dass das lesen sowohl im hoch- als auch im querformat möglich ist, und das gerät auch so gedreht werden kann, dass die blättertasten wahlweise auf der linken oder der rechten seite liegen. ein sensor registriert drehungen des gerätes und passt die textdarstellung in relativ kurzer zeit der neuen lage an. der sensor kann aber auch abgestellt werden. wer gern im liegen liest (z.b. im bett), ist mit dem leichten und anpassungsfähigen cybook opus gut bedient.

die wahl des richtigen e-readers ist natürlich auch davon abhängig, welche formate man lesen will. da ich fast ausschließlich texte im epub-format lese, beziehen sich auch meine opus-erfahrungen primär darauf. für das lesen von pdf-dateien ist der bildschirm sicher auf dauer zu klein. das gerät kann auch txt- und html-dateien darstellen; ich habe damit aber bislang nicht gearbeitet. grafiken und fotos in schwarzweiß werden nicht optimal, aber hinreichend deutlich dargestellt. wer viel illustrierte literatur liest, ist möglicherweise mit anderen e-readern besser bedient.

datenverwaltung mit adobe digital editions

die datenübertragung auf den reader erfolgt per usb-kabel vom computer. kopiergeschützte dateien werden über die kostenlose software adobe digital editions (ADE) komfortabel verwaltet; das cybook opus arbeitet – zumindest auf meinem mac – vollkommen störungsfrei mit ADE zusammen.

einige nutzer/innen bemängeln, dass das hochfahren des geräts im vergleich zu anderen readern relativ lange dauert (15 bis 20 sekunden). das aufrufen der einzelnen texte geht aber demgegenüber sehr schnell. hier lohnt sich ein blick auf das pocketbook 360°, den vergleichbaren 5-zoll-reader eines ukrainischen herstellers. beim starten ist das pocketbook fix, aber das aufrufen der einzelnen texte dauert extrem lange.

ein großer vorteil von e-readern ist, dass sehbehinderte sehr bequem die textgröße an ihre bedürfnisse anpassen können. hier bietet das cybook opus sehr viele abstufungen, so dass wirklich jeder text für jede lesesituation angepasst werden kann. auch schwächeres umgebungslicht kann etwa durch die einstellung einer anderen schriftgröße ausgeglichen werden. auch hier ein vergleichender blick zum pocketbuch 360°: hier stehen im epub-format nur drei verschiedene schriftgrößen zur verfügung, was den lesekomfort sehr einschränkt.

schwergängige tasten und instabile firmware

ist das cybook opus also uneingeschränkt zu empfehlen? leider nein. es gibt schwächen. so sind die tasten schwergängig und besonders bei längerem lesen unangenehm. für das umblättern stehen sowohl die runde steuerkreuztaste unter dem bildschirm als auch die beiden länglichen tasten an der seite zur verfügung; das macht den reader zwar sehr flexibel in der bedienbarkeit, aber alle tasten haben den nachteil, dass sie nicht sehr sehr sensibel ansprechen und auch ein deutliches tastengeräusch geben.

der entscheidende minuspunkt des gerätes aber ist die nicht ausgereifte software des herstellers bookeen, die zu häufigen abstürzen des gerätes führt, durchschnittlich bei meinem gerät alle 200 seiten. ein reset ist natürlich möglich, aber umständlich. es bleibt zu hoffen, dass bookeen diesen mangel mit der neuen firmware, die seit einigen tagen verfügbar ist, behoben hat. ich konnte diese neue firmware noch nicht erproben, weil ich mein gerät vor gut vier wochen zur reparatur einschicken musste: nach einem systemabsturz zeigte der reader keinerlei reaktion mehr. (und, man ahnt es schon: die lange reparaturzeit ist auch nicht gerade eine visitenkarte für den französischen hersteller.)

trotz dieser schwächen: ich würde das cybook opus gern als meinen standard-reader behalten. ich hoffe, dass der hersteller die probleme beheben kann – dann ist dieser e-reader meines erachtens ein optimales gerät für alle mobilen leser/innen.

ich habe zwischenzeitlich das pocketbook 360° erprobt, um auch während der reparaturzeit des opus mobil lesen zu können. das gerät nutzt die gleichen hardware-komponenten, hat aber eine stabilere und durchdachte firmware. abstürze habe ich mit dem gerät noch nicht erlebt. warum es trotzdem noch nicht mein top-favorit geworden ist, berichte ich demnächst in diesem blog.

wer sich umfassend über e-reader im allgemeinen und über spezielle produkte informieren will, dem sei übrigens die webseite lesen.net empfohlen.

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kommentare – übertragen aus der vorgängerversion des blogs:

Forkosigan sagt:
31. Dezember 2009 um 19:26

“wer sich umfassend über e-reader im allgemeinen und über spezielle produkte informieren will, dem sei übrigens die webseite lesen.net empfohlen.”

Noch ausführlichere Informationen über e-reader kann man beihttp://www.mobileread.com/forums/forumdisplay.php?f=159 finden.

“warum es trotzdem noch nicht mein top-favorit geworden ist, berichte ich demnächst in diesem blog.”

Als Pocketbook Distributor in Deutschlnd interessiere ich mich sehr über alle mögliche Kritikpunkte des Pocketbook 360°, da Firma Pocketbook allgemein offen für Kritik und Verbesserungsvorschlägen ist, und versucht mit dessen Hilfe seine Geräte besser zu machen.

um sagt:
1. Januar 2010 um 18:55

hallo forkosigan,
bezüglich der nutzerorientierung ist pocketbook vorbildlich und – vermutlich kann man das so sagen – einzigartig auf dem deutschen markt. ich halte das pocketbook 360° für ein interessantes, gutes gerät, das in jedem fall empfehlenswert ist. bei einigen features, die für mich ausschlaggebend sind, liegt aber das cybook opus vorn. ich werde dazu in den nächsten tagen einen kleinen vergleichsbericht ins blog setzen, und ich freue mich dazu auf den konstruktiven dialog mit pocketbook!
danke für den hinweis auf mobileread.com – klar, diese seite gibt jede information und lässt keine frage unbeantwortet!
um.

Forkosigan sagt:
1. Januar 2010 um 23:27

Hallo Uwe,
danke für die nette Worte. Bin gespannt auf Vergleichsbericht. Wenn Opus etwas besser kann, werde wir auf jeden Fall versuchen bei der weiteren Firmwareupdate, bei Pocketbook es genau so gut, oder besser zu machen.

Grüße,
Anatoli

  1. Pingback: cybook oder pocketbook?

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