Bücherkiste

ein buch ist ein buch ist ein buch?

natürlich ist lesen ein sinnliches erlebnis. ein buch fühlt sich an, es riecht nach papier, leim und druckerschwärze. mit jeder seite, die ich umblättere, wird sichtbar, wie ich den lesestoff verschlinge. ich könnte (was ich selten tue) berührende sätze unterstreichen und kommentare an den rand schreiben. und ein taschenbuch, dessen rücken sich unter der last vielfachen lesens beugt, kündet schon von weitem: ich habe etwas zu erzählen. ein buch fällt mir aus der hand, wenn ich darüber einschlafe, und ich verblättere die seiten. ein dicker wälzer wird im wortsinn zur schweren kost, wenn ich im bett mühe habe, das buch festzuhalten. nie – ich betone: nie! – würde ich auf dieses sinnliche, bibliophile vergnügen verzichten, etwa zugunsten eines sogenannten “e-readers”. nie.

soweit die theorie.

andererseits: ich sitze im engen bus von edewecht nach oldenburg und lese “notizen zum echolot” von kempowski. umblättern nicht ganz einfach, weil die person neben mir doch recht viel platz in anspruch nimmt. und das großvolumige taschenbuch füllt den rucksack doch auch erheblich. oder ich fahre eine längere strecke mit dem zug. auf der hinfahrt lese ich die “strategeme” von harro von senger. hardcover, 800 seiten. inhaltlich zu trocken für die rückfahrt, also zusätzlich noch: harry rowohlt, pooh’s corner. und die taz von heute habe ich auch dabei. jede menge wissen zu tragen. da gibt es doch diese elektonischen geräte, auf denen man die lektüre speichern kann? ein kleiner kasten mit vielen, vielen büchern zur auswahl? aber natürlich: stilbruch. kommt nicht in frage. ja, wenn es so etwas wie den kindle von amazon auch in deutschland gäbe, dann vielleicht …

ich schaue dann doch mal heimlich unter lesen.net, einer hervorragend informativen seite über e-books, e-reader und konsorten. der markt ist in bewegung, offenbar. sony, bookeen, kindle und ein durchaus interessantes projekt namens txtr – vielleicht sollte ich doch mal überlegen? ich hatte ja schon, nichts böses ahnend, vor geraumer zeit ein programm namens stanza auf mein iphone geladen. ein e-reader für das mobilfon. ausprobiert mit “alice im wunderland”, auf englisch. nicht vollends überzeugt.

auf der website meiner leib-und-magen-tageszeitung entdecke ich, dass es die taz auch in digitaler form gibt, und zwar im format “epub”, zu lesen auf dem iphone. ich gestehe, den gedanken fand ich faszinierend: auf der hin- und rückfahrt im bus, immerhin zusammen 40 bis 50 minuten, in ruhe zeitung lesen, ohne kompliziert umblättern zu müssen. das habe ich ausprobiert – und bin ganz angetan, auch wenn der iphone-bildschirm natürlich etwas klein ist. und wenn ich eigentlich finde, das sinnliche erleben gehört auch zum zeitung lesen dazu – schließlich riecht und färbt zeitungspapier noch viel mehr als ein buch. aber busfahren ist auch ein sinnliches erlebnis, und zuviel sinnlichkeit ist ja in der 380 gar nicht angemessen.

grundsätze sind dazu da, über den haufen geworfen zu werden. seit heute bin ich besitzer eines e-readers. und wenn ich morgen mit dem zug nach hannover fahre, habe ich mehrere bücher dabei und die taz. und alles zusammen ist ungefähr 12 x 16 cm groß und wiegt 150 gramm. ein buch ist ein buch ist ein buch? ich werde berichten.

Autor

Uwe Martens: Birdy. Bücher. Dansk. Djembé. Dram. Drum. FCSP. Foliba. Fotos. Kirche. Majiang. Musik. Oldenburg. Politik. PPP. PR. Web. Welt. Zukunft. 1959.

3 Kommentare

  1. Pingback: kempowskiesk

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