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das herz schlägt links

nein, ich will jetzt nicht jeden precht-band in diesem blog verewigen – aber dieses biografische werk von richard david precht kann ich einfach nicht “links” liegen lassen. “lenin kam nur bis lüdenscheid” beschreibt das erwachsen-werden bei den prechts in solingen. die eltern fühlen links und engagieren sich dort, wo in den 60er bis 80er jahren politisches unrecht groß war: z.b. gegen den vietnamkrieg, z.b. für das kinderhilfswerk terre des hommes; 2 kinder aus vietnam werden adoptiert und wachsen gemeinsam mit den leiblichen kindern in der familie auf. der antiautoritäre erziehungsstil macht den lehrer/innen, aber damit auch den kindern zu schaffen. vorbilder werden im osten gesucht und nicht im westen (z.b. der legendäre fußballer oleg blochin von dynamo kiew). westliche dekadenz ist verpönt (coca cola), das erleben kommunistischer, gesellschaftskritischer, ja umstürzlerischer protestgesänge ist selbstverständlich (degenhardt). und zwischendrin immer wieder konfrontationen mit der verwandschaft, mit nachbarn und familien von klassenkameraden, denen das leben der prechts suspekt ist. aber natürlich auch das miteinander mit den familien und personen aus dem kommunistischen und linken millieu in und um solingen. ein buch, das durchaus auch mit einer spürbaren melancholie der eigenen biografie nachgeht.

ich habe dieses buch sehr genossen – und viele erinnerungen an mein eigenes aufwachsen gehabt. zwar bin ich nicht im kommunistischen umfeld großgeworden, aber es gab eine linke interpretation der wirklichkeit, vermittelt über meine älteren geschwister. wer in der zeit aufgewachsen ist oder jung war, wird vieles wiederentdecken; wer in der zeit kinder erzogen und sich mit summerhill befasst hat, sicherlich auch. das buch spottet nicht – bei aller ironie. es ist keine distanzierung von verkappter dkp-weltsicht, sondern beschreibt die notwendigkeit und unvermeidbarkeit, angesichts der entwicklung in deutschland und in der welt  auch unangepasst, kritisch, und einfach wach durchs leben zu gehen. das schließt naivität nicht aus, fordert aber zugleich eine differenzierte betrachtung der deutschen geschichte in dieser zeit.

also im fazit: leseempfehlung! ich werde mein exemplar an meinen bruder weitergeben – (ja, so war das damals …)

richard david precht, lenin kam nur bis lüdenscheid; 351 seiten, list-verlag, isbn 978-3548606965

kommentar – übertragen aus der vorgängerversion des blogs:

Peter Moneke sagt:
13. Dezember 2009 um 17:35

der autor ist halt 10 jahre später als ich und so kommt auch einiges anders als ich es empfunden habe. Immerhin findet eine nette, z.t. komische betrachtung der zeiten statt. ein liedermacher, hannes wader, kommt auch drin vor. einige konzerte habe ich in den letzten jahren erlebt. na klar hat er nicht mehr die verbissene bissigkeit der anfänge. dafür ein gutes gitarrenspiel und immer noch eine auswahl von liedern, die vieles spiegeln.

vielleicht sollte ich das erhaltene exemplar weiter reichen, es gibt einen netten menschen, der die 60ziger/70ziger auch intensiv erlebt hat. 67/68 damals ja …….

ja eines noch, die LP von terre des hommes, gab es in unserer familie auch, sie kam durch unsere ältere schwester ins haus. “.. bis man wieder ein fisch ist und unter wasser vom tisch ißt..”

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Uwe Martens: Birdy. Bücher. Dansk. Djembé. Dram. Drum. FCSP. Foliba. Fotos. Kirche. Majiang. Musik. Oldenburg. Politik. PPP. PR. Web. Welt. Zukunft. 1959.

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